How to make your own CD
Montag, den 04. Oktober 2010 um 17:29 Uhr

Was kostet es, eine CD zu produzieren?

Die Frage bekommen wir häufig von Nachwuchs-Bands, Cover-Projekten und Künstlern gestellt, die bei uns im Studio eine CD aufnehmen möchten. Die Frage ist leider genauso zu beantworten wie die Frage "Was kostet ein Auto?". ;-) Es kommt immer darauf an, welche "Ausstattung" gewünscht ist, wie hoch die Auflage sein soll, ob es eine Maxi-CD oder LP-CD ist, im Jewelcase, Inlay, Booklet etc...

Zu beachten sind im wesentlichen folgende Punkte:

Tonstudio

Um eine CD ins Presswerk zu geben, benötigt Ihr ein sogenanntes "Master", dies kann euch jedes Tonstudio erstellen. Das Master ist die 1:1 Vorlage der CD, dort sind auch die Namen der Tracks, die ISRC-Codes und weitere Daten hinterlegt. Sofern Ihr eine Band seid entstehen nur die Kosten für das Studio sowie das Abmischen und Mastern der Aufnahmen, dies fängt bei ca. EUR 350,00 für eine Single an, geht über ca. 3000,00 EUR für ein solides "Erstlings-Album" bis hin zu vielen, vielen tausend Euro für eine professionelle Produktion, die aktuellen Chart-Ansprüchen gerecht wird. Es muss also abgewägt werden, was ihr wollt, welche Zielgruppe ihr habt, ob ein großes Label zur finanziellen Unterstützung hinter Euch steht. Die "mittlere" Variante ist die, welche meistens ausgewählt wird, hier stimmen Preis und Leistung, High-End-Produktionen werden eigentlich nur von großen Major-Labels in Auftrag gegeben und wenn quasi "sicher" ist, das der Interpret sich verkauft und eine Chart-Platzierung erreicht.

Sofern Ihr Solo-Künstler seid benötigt Ihr noch die eigentliche Musik. Die vermeintlich günstigste Variante ist es, ein Playback zu kaufen für meistens weniger als 10 Euro - dies kann man für kleine Demos und Einzel-CD´s durchaus machen, allerdings muss eine CD-Pressung bei der GEMA gemeldet werden und man benötigt auch noch das Einverständnis des Labels bzw. von Interpret und Komponist. So können auch hier schnell mehr als 250 Euro (für einen relativ unbekannten Titel) bis hin zu mehreren zehntausend Euro an Lizenzkosten zusammen kommen. Wenn Ihr eigene Stücke singen wollt könnt Ihr euch ein Playback produzieren lassen, dies liegt je nach Aufwand zwischen 200 und 1000 Euro, dieses ist dann Euer Eigentum, der Produzent / Komponist erhält hier dann zusätzlich noch die vereinbarten Tantieme der GEMA. Aufwändiger und teurer ist die Porduktion mit einer vollen Bandbesetzung oder gar einem Orchester. Studiomusiker kosten zwischen 200 und 800 Euro pro Tag, erhalten hierfür später aber keine GEMA-Tantieme, allenfalls jedoch GvL-Auszahlungen. Sofern Ihr gute Studiomusiker habt schaffen diese je nach Arrangement 1 bis 15 Titel am Tag - wir haben hier schon 3 Tage benötigt um einen Titel einzuspielen, allerdings auch schon ein ganzes Album an einem Tag (inkl. der darauf folgenen Nacht... *lach*) eingespielt. Hier entscheiden Budget, Anspruch an die Qualität (mehr Einspielzeit bedeutet bessere Qualität!) und Vorbereitung der Arrangements.

Mastern

Einen Audio-Track abzumischen und zu mastern dauert in der Regel länger, als diesen einzuspielen, demnach sind die Kosten hierfür auch höher. Wer an dieser Stelle spart und Zeitdruck macht, wird ein eher mittelmäßiges Album erhalten. Abmischen und Mastern können pro Titel viele Tage in Anspruch nehmen, da ein Tontechniker nicht 15 Stunden am Stück "hören" kann, es braucht immer wieder Pausen um das Gehör zu neutralisieren, kleine Feinheiten heraus zu hören, Abstimmungen vorzunehmen etc... Für eine Single solltet Ihr etwa eine Woche Zeit einplanen, für ein Album ca. 6 bis 8 Wochen. Der Tontechniker wird nicht jeden Tag 8 Stunden daran mischen, aber immer wieder mal Zwischendurch. Gebt euch und dem Studio diese Zeit, die Qualität wird es euch danken. Selbst bekannte Künstler machen den Fehler, Termine zu eng zu kalkulieren und dann eine eigentlich gute Produktion nur wegen Zeitdruck im "Mittelmaß" abzuliefern. Eine gut gemasterte CD ist die halbe Miete!

GEMA / GvL

Über das Thema GEMA und GvL gibt es tausende von Foren, beide Gesellschaften haben auch gute Internetseiten, die Euch die Grundlagen schnell und einfach erkennen lassen, daher hier nur grob angerissen: Künstler sind meistens Mitglied der GvL, von dort erhalten sie später Ausschüttungen von Studiojobs, Liveauftritten etc... - das Gegenstück hierzu ist die GEMA, die Tantieme z.B. an Texter und Komponisten verteilt. Die GEMA-Anteile einer Produktion müsst Ihr vor der Pressung an die GEMA zahlen, dies sind zur Zeit EUR 0,30 pro Maxi und EUR 0,60 pro Album. Also bei einer Auflage von 1000 CD´s 600 Euro zzgl. 7% MwSt.

Label-Code

Auf jede CD gehört ein Labelcode (LC). Dieser fünstellige Code identifiziert eure CD in Verkaufsstellen, bei Ausstrahlungen in Fernsehen, Radio usw. Sofern Ihr kein eigenes Label habt sprecht uns einfach an.

Presswerk

Nun habt Ihr einen Haufen Bürokratie hinter Euch, die CD produziert und ein Master in der Hand - dann gehts auf zum Presswerk. Die Kosten hierfür sind eher gering, CD´s gibt es schon ab EUR 0,10, hinzu kommen noch Druckkosten für Cover, Booklet, Inlaycard und die Verpackung, z.B. ein Jewelcase, Slimbox oder DigiPak. Komplett konfiguriert liegt eine verkaufsfertige CD zwischen EUR 0,60 und EUR 3,00 bei den Produktionskosten, so als groben Rahmen bei einer Auflage von 1000 Exemplaren.

Kalkulation

Ihr habt nun erst einmal investiert und möchtet wissen, was ihr nun verdient? Rechnen wir das ganze mal an einem Beispiel durch:

Auflage: 1000 CD´s
Produktion: Album, 12 Titel
Endprodukt: reine Audio-CD, Jewelcase, 16-seitiges Booklet, CD 5farbig bedruckt, Inlaycard, einzeln Verpackt

Ihr wart insg. 5 Tage im Studio, habt 10 Titel einspielen lassen von Studiomusikern, ein paar Chorpassagen wurden eingesungen, das Mastern wurde auf ein Budget von EUR 1500,00 begrenzt (mittlere Qualität, "Radiotauglich"), eine Werbeagentur hat Euch das Cover designed und die GEMA ist auch angemeldet:

EUR 1250,00 für das CD-Presswerk
EUR 3500,00 für Studio-Musiker
EUR 1500,00 für Abmischen / Mastern
EUR 1000,00 für die Werbeagentur
EUR 600,00 an GEMA-Gebühren vorab (einen Teil hiervon bekommt ihr ja ggfl später erstattet)

Macht in der Summe EUR 7850,00 an Netto-Ausgaben (mit Steuer ca 8550 EUR) . Nun habt Ihr 1000 CD bei Euch liegen, dafür gehen in der Regel 10% für die Bemusterung weg, also als Demos für Radiosender, Clubs, Familie etc... - bleiben 900 "Verkaufs-CD´s". Kleinproduktionen, die im Eigenvertrieb verkauft werden, haben normalerweise einen etwas höheren Preis als die CD´s, die Ihr im Handel kaufen könnt, das liegt darin begründet, das die Produktionskosten für eine Einzel-CD mit steigender Stückzahl sinkt. Wenn also bei 1000 CD´s eine einzelne noch EUR 7,85 "kostet" liegt der Preis bei einer Auflage von 100.000 CD´s bei weit unter einem Euro. Rechnen wir Euer Beispiel einmal weiter:

900 CD´s die in den Verkauf gehen zu einem Preis von EUR 25,00 (das sollte aber auch das Limit sein, mehr werden nur die wenigsten Leute bezahlen und wenn ihr die weltbeste  Heino-Coverband auf diesem Planeten seid!) macht 22.500 Euro, davon dann mal 8550,00 an Ausgaben abziehen mach einen Reingewinn von 13950,00 - und nicht vergessen, Tantieme für Texter und Komponisten kommen noch hinzu, eventuell auch GvL. Jetzt liegt es noch an Euch, 900 Leute auf Konzerten, im Freundes- und Verwandtenkreis zu überzeugen Eure CD zu kaufen! ;-)

Natürlich kostete eine Debüt-Single weitaus weniger, auch kleinere Auflagen sind machbar und oft sinnvoll. Sparen könnt ihr, wenn Ihr selbst im Studio einspielt oder Freunde habt, die gute Musiker sind die dies für Euch übernehmen. Auch ein talentierter Grafiker findet sich bei den meisten im Freundeskreis sodaß man die teure Werbeagentur sparen kann. Die Kalkulation soll nur einmal überschaubar machen, das hinter einer CD jede Menge Arbeit und auch ein gewisses finanzielles Risiko steckt - wenn ihr aber ein cleveres Marketing habt, gut besuchte Konzerte gebt und vielleicht Eure CD auch im Internet anbietet sind 1000 CD´s kein Hexenwerk - und für den Zeitfaktor von ein paar Studiotagen die Bandkasse um diesen Betrag aufzufüllen lohnt sich doch auch, oder?